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24.03.2003

PRO BAHN zu 100 Tagen neues Tarifssystem der Deutschen Bahn AG

Kirchheim, 25.03.03, WS/JS - Vor genau 100 Tagen wurde von der Deutschen Bahn AG ein neues Tarif-system eingeführt, mit dem nach Angaben der DB AG "ein neues Bahnzeitalter eröffnet werden sollte". Die Werbekampagne in den Medien, in denen versprochen wurde, dass "Bahnfahren für Millionen so günstig wie nie zuvor wird", weckte die Erwartung, dass Bahnfahren nun generell preiswerter würde. Sehr bald stellte sich heraus, dass dieses System zwar neue günstige Angebote für Neukunden und Gelegenheitsfahrer bietet, dass aber gleichzeitig die Preise für viele Pendler sowie für Besitzer der BahnCard zum Teil drastisch angehoben wurden. Weitere versteckte Preiserhöhungen ergaben sich durch die Umwandlung der verbliebenen Interregio-Züge in Intercity-Züge, durch Ausdehnung der Bordpreise sowie durch hohe Stornogebühren.

Pro Bahn hatte vor diesen Auswirkungen des neuen Tarifsystems gewarnt und einen Rückgang der Fahrgastzahlen prophezeit. Leider sind diese Vorhersagen eingetroffen, denn wie der Presse zu entnehmen ist, sind die Fahrgastzahlen Anfang des Jahres deutlich zurückgegangen, obwohl hohe Benzinpreise und winterliche Straßenverhältnisse günstige Voraussetzungen für einen Zuwachs an Fahrgästen geschaffen hatten. Auf viele Stammkunden der Bahn, die sich noch eine alte BahnCard gekauft haben, kommen nach Ablauf deren Gültigkeit Ende diesen Jahres Preiserhöhungen von bis zu 50 % zu, was zu weiteren Fahrgastrückgängen führen wird.

Das wichtigste Element des neuen Tarifsystems sind die Vorausbuchungsrabatte, deren Prinzip darauf beruht, den Kunden Preisermäßigungen nur noch gegen Einschränkung der Flexibilität des Reisens zu gewähren. Diese Strategie scheint nicht aufzugehen, denn die Mehrheit der Kunden akzeptiert dieses Prinzip nicht und fühlt sich dadurch in ihrer Entscheidungsfreiheit eingeschränkt. Sie sehen auch nicht ein, dass sie für die Umbuchung auf einen anderen Zug eine Strafgebühr bezahlen sollen, die höher als die Strafe für Schwarzfahren in der U-Bahn ist. Darüber hinaus kommen viele Reisenden gar nicht in den Genuss dieser Rabatte, weil in Nahverkehrszügen keine Vorausbuchung möglich ist. Damit werden ganze Regionen von den Sparmöglichkeiten der Bahn ausgeschlossen, denn beispielsweise zwischen Stuttgart und Würzburg, zwischen Ulm und Friedrichshafen oder zwischen Offenburg und Konstanz verkehren keine oder nur einzelne Fernzüge.

Entscheidend für die Kundenakzeptanz eines Tarifsystems sind die Beratung bei Reiseplanung und Fahrkartenkauf sowie die Transparenz der Tarife. Hier zeigte sich schnell, dass das neue Tarifsystem wesentlich komplizierter und beratungsintensiver als das alte ist und schon beim Grundpreis eine verwirrende Vielzahl von unterschiedlichen Preisen für verschiedene äquivalente Verbindungen anbietet. Dazu kommen noch die unterschiedlichen Voraus-buchungsrabatte, die aber nicht immer verfügbar sind. Nun kommen nach neuesten Ankündigungen der DB AG auch wieder spezielle Sonderangebote hinzu, so dass ein neuer "Tarifdschungel" entsteht, der undurchschaubarer denn je ist. Die Komplexität des neues Tarifsystem sowie ein nicht ausgereiftes Buchungssystems sorgen seit dessen Einführung für lange Warteschlangen an den Fahrkartenschaltern, worunter nun auch Kunden ohne Beratungsbedarf zu leiden haben, denn gleichzeitig wurden auch die Expressschalter abgeschafft. Völlig kontraproduktiv erscheinen in diesem Zusammenhang Ankündigungen der DB AG, weiter Verkaufsstellen zu schließen und gleichzeitig das Personal in den telefonischen Auskunftsstellen drastisch zu reduzieren.

Auch beim Verkehrsangebot bringt die mit dem neuen Tarifsystem eingeführte strikte tarifliche Trennung zwischen Nah- und Fernverkehrszügen für viele Bahnkunden Verschlechterungen mit sich. Auf der Schwarzwaldbahn oder der Südbahn verursachen einzelne in der Taktlage von Nahverkehrszügen verkehrende IC-Züge zweistündige Lücken im ansonsten angebotenen Stundentakt, denn mit Nahverkehrstickets ist die Benutzung dieser Zügen selbst gegen Aufpreis nicht mehr möglich.

PRO BAHN Baden-Württemberg fordert daher im Interesse der Fahrgäste, dass das neue Tarifsystem so schnell wie möglich nachgebessert wird, bevor das Ansehen der Bahn noch weiter beschädigt wird und damit das Gesamtsystem Bahn in eine existenzbedrohende Lage kommt.

Verantwortlich für den Inhalt:
Josef Schneider, Vorsitzender Pro Bahn-Landesverband Baden-Württemberg
Kontakt: Wolfgang Staiger 0711 / 11260138
Josef Schneider 0160 / 7025154

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letzte Aktualisierung: 17.04.2017