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RV Region Stuttgart

06.10.2013

PRO BAHN bedauert fehlende Beteiligung zur Beendigung der S-Bahn Misere und fordert energische Maßnahmen

S-Bahn-Gipfel ohne Fahrgäste

(ws, jt, ak, sl) Der am Mittwoch, den 9. Oktober 2013 stattfindende S-Bahn-Gipfel, bei dem sich die Deutsche Bahn, der VVS und der Verband Region Stuttgart darüber verständigen, wie die derzeitige Misere mit ständigen Verspätungen und Zugausfällen gelöst werden kann, wird vom PRO BAHN Regionalverband Stuttgart grundsätzlich begrüßt.

Die Stuttgarter S-Bahn ist das Rückgrat des Nahverkehrs in der Region Stuttgart und hat damit eine überragende Bedeutung für die Bewältigung der starken Pendlerströme innerhalb dieses bedeutenden Wirtschaftsraums. In den letzten Jahren hat jedoch die ursprünglich recht hohe Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit des S-Bahn- Verkehrs immer mehr abgenommen und beim Fahrgastverband PRO BAHN gehen immer häufiger Beschwerden von Fahrgästen ein. Die Störungen haben mittlerweile ein Ausmaß angenommen, das die Wirtschaftsregion Stuttgart gefährdet und eine wachsende Zahl von Pendlern dazu veranlasst, wieder auf das eigene Auto umzusteigen. Eine von PRO BAHN zusammengestellte Darstellung der Pünktlichkeitswerte der letzten 10 Jahre (siehe PDF-Version) zeigt, dass diese Entwicklung nicht erst seit Beginn der Stuttgart 21-Bauarbeiten zu beobachten ist, sondern dass schon seit 2005 eine kontinuierliche Verschlechterung zu verzeichnen ist.

Als Interessenvertretung der Fahrgäste hätte der Fahrgastverband PRO BAHN gerne die Sorgen und Nöte, sowie Verbesserungsvorschläge der Fahrgäste beim S-Bahn-Gipfel vorgetragen. "Leider war unsere Teilnahme am S-Bahn-Gipfel aber unerwünscht" bedauert Andreas Kegreiß, Regionalsprecher von Pro Bahn. "Auch andere Fahrgastvertreter und der VVS-Fahrgastbeirat waren nicht eingeladen".

Bei diesem Treffen zur Zukunft der Stuttgarter S-Bahn sollen verschiedene Lösungsmöglichkeiten diskutiert werden. PRO BAHN hält Maßnahmen an der Infrastruktur und den Fahrzeugen, sowie Verbesserungen beim Umgang mit Störungen sowie eine Sensibilisierung der Fahrgäste hinsichtlich des Umgangs mit den Türschließeinrichtungen für dringend notwendig und fordert eine zügige Umsetzung.

Zu Vorschlägen, den S-Bahn-Fahrplan durch Einbau von Verspätungspuffern zu entspannen, gibt Andreas Kegreiß allerdings zu bedenken: "Wir warnen davor, durch Fahrzeitverlängerung das in jahrelanger Planung optimierte Fahrplangerüst der S-Bahn mit ihren bewährten Taktknoten zu verändern. Verschiebungen um zwei Minuten erscheinen unbedeutend, aber das reicht bereits aus, um neue Probleme mit den Wendezeiten (Beispiel: Wende S4 in Backnang) und den Anschlüssen sowohl zwischen den S-Bahnen (Beispiel: Anschluss S60 auf S1 in Böblingen) als auch zu vielen Anschlussbussen und -bahnen (Beispiel: Anschluss R61 in Korntal) zu schaffen. Wir wollen vor allem, dass der bewährte S-Bahn-Fahrplan wieder zuverlässig eingehalten werden kann."

PRO BAHN unterstützt deshalb die Forderungen nach besserer Wartung und Instandhaltung der Infrastruktur, längeren Züge und einer besseren Lenkung der Fahrgastströme an den Haltestellen, was zur Verkürzung der Haltezeiten führt und Verspätungen vermeiden hilft.

Zu den Fahrzeugproblemen meint Andreas Kegreiß: "Wir erwarten vom Hersteller der neuen S-Bahnzüge vom Typ ET430, dass Türöffnung und Herausfahren der Schiebetritte schnell und zuverlässig ablaufen. In der bisherigen Ausführung ist der Schiebetritt jedoch eine Fehlkonstruktion".

Bei der ohnehin vorgesehenen Überarbeitung der älteren S-Bahnen sollte auch deren Bremsentechnik auf den neuesten Stand gebracht werden (Nachrüstung von Magnetschienenbremsen), damit Geschwindigkeitsbeschränkungen im Herbst bei feuchter Witterung und Laubfall, wie sie in der Vergangenheit bereits verhängt werden mussten, nicht mehr notwendig werden.

Auch beim Umgang mit Störungen gibt es großes Verbesserungspotenzial. In diesen Fällen stehen Fahrgäste oftmals ohne Information über die voraussichtliche Dauer der Störung und eventuelle alternative Fahrmöglichkeiten auf den Bahnsteigen. Mit einem professionellen Störungs- management ließen sich die Beeinträchtigungen für viele Fahrgäste deutlich verringern.

Allerdings werden nicht alle Störungen von der Bahn selbst verursacht. Häufig lösen "Personen im Gleis" eine Sperrung des gesamten Bahnverkehrs im betroffenen Gebiet durch die Polizei aus und es kommt zu großen Verspätungen. PRO BAHN appelliert dabei an die Verantwortlichen, nicht in allen Fällen eine Komplettsperrung zu verhängen, sondern bei guten Sicht- und Witterungsbedingungen auch eine Langsamfahrt (z. B. mit 30 km/h) zuzulassen, die zu vergleichsweise geringen Verspätungen führen würde.

Offenbar ist auch der VRS als Nahverkehrsbesteller mit der S-Bahn-Problematik überfordert. Der neue, bis 2028 geltende S-Bahn-Vertrag ist nicht transparent und Regelungen für unpünktliche bzw. ausgefallene Züge bleiben im Dunkeln.

Auch die Betriebsdaten zu Verspätungen und Ausfällen bleiben großenteils Betriebsgeheimnis der DB und werden nur summarisch veröffentlicht. "Gedeckelte Strafzahlungen im Bonus/Malus- System, bei dem ausgefallene Züge überhaupt nicht erfasst werden, sind für die DB offenbar kein ausreichender finanzieller Anreiz, Verspätungen oder Ausfälle zu vermeiden", bemängelt Andreas Kegreiß. "Eine Veröffentlichung der Regularien und der Pünktlichkeitsstatistiken würde hier für mehr Druck sorgen und helfen, gezielte Maßnahmen einzuleiten. Eine angemessene Fahrpreiserstattung für die betroffenen Fahrgäste muss ebenfalls in Betracht gezogen werden."

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letzte Aktualisierung: 17.03.2017